Unterversicherung: die stille Lücke, die im Schadenfall teuer wird
Die Versicherungssumme von vor Jahren passt oft nicht mehr zum heutigen Betrieb. Im Schadenfall merkt man das meist zu spät.
Ein Wasserschaden in der Werkstatt, der Gutachter geht durch die Räume, macht Fotos, prüft die Maschinen. Am Ende steht eine Zahl im Bericht, die niemand erwartet hat: Der Versicherer zahlt nicht den vollen Schaden, sondern nur einen Teil davon. Nicht weil etwas ausgeschlossen wäre, sondern weil die Versicherungssumme im Vertrag seit Jahren nicht mehr zum tatsächlichen Wert des Betriebs passt. Das ist Unterversicherung, und sie trifft die meisten erst dann, wenn es zu spät ist.
Das Prinzip dahinter ist in § 75 des Versicherungsvertragsgesetzes geregelt und wirkt unabhängig davon, wie der Schaden entstanden ist. Ist die vereinbarte Versicherungssumme niedriger als der tatsächliche Wert der versicherten Sachen, kürzt der Versicherer die Leistung im gleichen Verhältnis. Liegt die Summe deutlich unter dem realen Wert, wird auch bei einem kleineren Schaden nur ein Teil erstattet, obwohl der Schaden selbst gar nicht so hoch ausfällt. Das überrascht viele, weil sie annehmen, ein Teilschaden werde ohnehin voll bezahlt. Diese Erläuterung ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls, die konkrete Berechnung hängt immer vom jeweiligen Vertrag ab.
Der eigentliche Grund für Unterversicherung liegt selten in einem Fehler beim Vertragsabschluss. Er liegt darin, dass Werte sich verändern, ohne dass jemand daran denkt, die Police anzupassen. Ein Maschinenpark wächst über Jahre durch einzelne Investitionen, die für sich genommen klein wirken. Baukosten und Wiederbeschaffungspreise steigen. Warenlager füllen sich, Betriebseinrichtungen werden modernisiert, ein Lagerraum kommt dazu. Jede einzelne Veränderung erscheint im Moment unbedeutend, in der Summe verschiebt sich der Wert des Betriebs aber erheblich, während die Versicherungssumme im Vertrag unverändert stehen bleibt.
Nehmen wir eine Tischlerei, die vor einigen Jahren mit einem überschaubaren Maschinenpark gestartet ist. Über die Zeit kamen eine neue CNC-Fräse dazu, zusätzliche Werkbänke, ein größeres Materiallager. Die Inhaltsversicherung wurde nie angepasst, weil niemand einen konkreten Anlass sah. Erst nach einem Brandschaden zeigt sich, dass die eingetragene Summe den heutigen Wert der Werkstatt deutlich unterschreitet. Die Kürzung trifft dann nicht nur die zerstörten Maschinen, sondern anteilig jeden Posten der Schadensberechnung.
Eine gängige Lösung dafür ist der Unterversicherungsverzicht. Dabei verzichtet der Versicherer vertraglich darauf, im Schadenfall zu prüfen, ob die Summe ausreichend war, sofern bestimmte Voraussetzungen bei Vertragsschluss erfüllt waren, etwa eine sachgerechte Wertermittlung. Das nimmt dem Betrieb nicht die Pflicht, seine Werte im Blick zu behalten, aber es nimmt die böse Überraschung im Ernstfall, solange die ursprüngliche Einschätzung nachvollziehbar war. Ob diese Vereinbarung im konkreten Vertrag greift und welche Bedingungen sie voraussetzt, sollte im Einzelfall geprüft werden.
Der zuverlässigste Schutz bleibt trotzdem der regelmäßige Blick auf die eigenen Zahlen. Ein jährlicher Check der Versicherungssummen, am besten verbunden mit der ohnehin anstehenden Inventur oder dem Jahresabschluss, deckt Verschiebungen auf, bevor sie zum Problem werden. Das kostet wenig Zeit, verglichen mit dem, was eine Kürzung im Schadenfall an Substanz kostet.
Als Makler sehen wir uns dabei als Sachwalter unserer Mandanten, nicht des Versicherers, und das schließt ein, aktiv auf solche Lücken hinzuweisen, statt nur den bestehenden Vertrag zu verwalten. Die Beratung dazu ist für Sie in der Regel kostenfrei, da die Courtage im Beitrag steckt und ohnehin anfällt, ob Sie über uns oder direkt abschließen. Ein Mandat bei uns bindet Sie nicht, es lässt sich jederzeit beenden, unabhängig vom bestehenden Versicherungsvertrag. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Summen noch zum heutigen Wert Ihres Betriebs passen, finden Sie in unserem Bereich für Gewerbekunden einen Einstieg dazu, oder Sie schreiben uns direkt über das Kontaktformular. Im Schadenfall sitzt dann kein anonymes Callcenter am anderen Ende, sondern jemand mit Namen, der Ihren Betrieb kennt.
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