Rechtsschutz: wann er wirklich zahlt und wann nicht
Eine Rechtsschutzversicherung klingt nach Beruhigung für alle Fälle. Wo die Deckung tatsächlich greift und wo Sie im Ernstfall selbst zahlen, lohnt einen genauen Blick.
Sie bekommen eine Abmahnung wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung, streiten mit dem Vermieter um die Kaution oder werden nach einem Auffahrunfall vom gegnerischen Anwalt angeschrieben. In all diesen Situationen stellt sich dieselbe Frage: Zahlt die Rechtsschutzversicherung, und wenn ja, wie viel? Die ehrliche Antwort lautet: kommt darauf an, welchen Baustein Sie abgeschlossen haben und wann der Streit entstanden ist.
Eine Rechtsschutzversicherung ist kein einzelner Vertrag, sondern ein Baukasten. Der private Baustein deckt typischerweise Streitigkeiten aus dem Alltag ab, etwa mit einem Handwerker oder einem Online-Händler. Der Berufs-Baustein greift bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen, etwa einer Kündigungsschutzklage. Verkehrsrechtsschutz betrifft alles rund um Fahrzeug und Straßenverkehr, vom Bußgeldverfahren bis zum Streit mit der Werkstatt. Und der Mietrechtsschutz sichert Auseinandersetzungen mit Vermieter oder Mieter ab, etwa bei Nebenkostenabrechnungen oder Mängeln in der Wohnung. Wer nur einen dieser Bausteine gebucht hat, bekommt in den anderen Bereichen keine Deckung, so verständlich das klingen mag.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Fast jede Rechtsschutzversicherung sieht eine Wartezeit vor, bevor der Schutz für bestimmte Bereiche greift, und sie deckt grundsätzlich keine Fälle ab, die vor Vertragsbeginn schon absehbar oder bereits entstanden waren. Diese sogenannte Vorvertraglichkeit ist einer der häufigsten Gründe für eine Ablehnung. Wer schon eine Abmahnung im Briefkasten hat und erst danach eine Police abschließt, wird für genau diesen Fall keine Deckung bekommen. Der Vertrag muss also stehen, bevor der Streit entsteht, nicht danach.
Bevor ein Anwalt beauftragt wird, braucht es in der Regel eine Deckungszusage des Versicherers. Diese bestätigt, dass der Fall grundsätzlich abgedeckt ist und die Kosten übernommen werden. Innerhalb der Deckung haben Sie freie Anwaltswahl, Sie müssen sich also nicht auf einen vom Versicherer vorgeschlagenen Anwalt einlassen, sondern können jemanden Ihres Vertrauens beauftragen. Diese Einordnung ist allgemein gehalten, im Einzelfall hängt vieles von den genauen Vertragsbedingungen ab und ersetzt keine rechtliche Beratung.
Typische Ausschlüsse betreffen etwa Bau- und Grundstücksstreitigkeiten, Auseinandersetzungen im Familien- und Erbrecht sowie Kapitalanlagestreitigkeiten, die häufig nur gegen Aufpreis oder gar nicht mitversichert sind. Auch vorsätzlich begangene Straftaten sind grundsätzlich ausgeschlossen. Wer beispielsweise als Freiberufler regelmäßig Verträge mit Auftraggebern schließt, sollte prüfen, ob der Berufs-Baustein diese Konstellation überhaupt abdeckt oder ob es sich eigentlich um ein gewerbliches Risiko handelt, das anders eingeordnet werden muss.
Ob sich eine Rechtsschutzversicherung für Sie lohnt, hängt von Ihrer Lebenssituation ab: Wer zur Miete wohnt, häufig im Auto unterwegs ist oder beruflich in einem Bereich mit höherem Konfliktpotenzial arbeitet, hat andere Bedürfnisse als jemand, der im eigenen Haus wohnt und selbstständig ohne Angestellte arbeitet. Eine pauschale Empfehlung gibt es hier nicht, wohl aber eine Reihe von Fragen, die sich lohnen, bevor Sie unterschreiben.
Als unabhängiger Makler sind wir nach Paragraf 60 Versicherungsvertragsgesetz Sachwalter unserer Kunden, wir vertreten also Ihre Interessen und nicht die eines bestimmten Versicherers, und haften für unsere Beratung. Die Courtage steckt im Beitrag und fällt beim Direktabschluss ebenso an, für Sie ist unsere Einschätzung in der Regel kostenfrei. Ein Mandat bei uns ist jederzeit widerrufbar, das ist unabhängig vom eigentlichen Versicherungsvertrag zu sehen. Wenn Sie klären möchten, welche Rechtsschutz-Bausteine zu Ihrer Situation passen, finden Sie in unserem Bereich für Privatkunden weitere Hintergründe, oder Sie schreiben uns direkt über das Kontaktformular. Wir sind ein Berliner Familienunternehmen seit 1969, und im Schadenfall ist bei uns ein Mensch mit Namen für Sie da, keine anonyme Hotline.
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